Franziska Seifert
There are two major projects currently in the implementation phase. One is near her home in Hamburg’s Wilhelmsburg district. In this context, she refers to working the land, including arable fields and a greenhouse, on ‘Spadeland’. Historically, ‘Spadeland’ (or ‘Spatenland’) refers to a stretch of marshland directly adjacent to the dyke, which served as a foreland for dyke maintenance and from which soil was extracted. In the Middle Ages, the ‘Spadelandrecht’ (Spadeland law) governed the dyke maintenance obligations of local residents. Each farmer was allocated a fixed section of the dyke and the corresponding plot of Spadeland, for which he was responsible. If a farmer was unable to repair his section of the dyke, a spade was stuck into the dyke. Whoever pulled out the spade took on the duties for that section of the dyke and received the associated land. This symbolic act is carried out by Franziska Seifert and her husband; they accept the spade and reclaim the site of an unremarkable house with a large greenhouse, excavating its interior. Originally, the dyke farmers did the same to build up and construct the dyke. Franziska Seifert describes the project as follows: “A large greenhouse is being retained and excavated deeper inside to provide more headroom for holding exhibitions. However, our lemons and oranges will also overwinter there. On the open space – the strips of arable land – we are planting a mixed-fruit orchard and, further back, a strip of trees to improve phosphate uptake. There, the remaining bridge stones from a former Rhine bridge will be assembled into a sculpture, and we will place an old railway carriage that is slowly sinking into the moorland soil.” It goes without saying that she is undertaking all this with a view to ecological and civilisational resilience. There have been, and continue to be, many plans in Hamburg to green former harbour and industrial sites; yet these two founders are simply putting their vision into practice – from concept to completion – artistically and without compromise, without any delay. *
What makes Franziska Seifert’s project special is that she is carrying it out entirely on her own initiative and that she is addressing key questions of the Anthropocene with conviction and ingenuity, providing compelling and exemplary answers regarding resilience for herself and her surroundings. She finds an artistic approach to the phenomenon of the Anthropocene, which she realises convincingly for herself and those around her.
* https://www.stiftung-lebensraum-elbe.de/ Schwimmende Landschaften im Hansahafen: Ein wegweisendes Kunst- und Forschungsprojekt Schwimmende Landschaften im Hamburger Hafen und in ... vom Studio Urbane Landschaften und der Galerie für Landschaftskunst... . https://der-oberhafen.de/garten/ Das Kunstprojekt dient als flexibles Experimentierfeld, um versiegelte Flächen ohne Bodeneingriff temporär zu begrünen grau trifft grün - Stiftung Hamburger Initiative. Forschungsinstallation am Baakenhöft: Künstlerisch-wissenschaftliche Projekte der HafenCity Universität erforschen hier, wie sich raue, ungenutzte Betonflächen durch natürlichen Bewuchs in Biodiversitäts-Hotspots verwandeln lassen. vgl. hierzu https://www.hamburg.de/leben-in-hamburg/ausbildung-studium/science-made-in-hamburg/artenvielfalt-auf-verwahrlosten-waenden--1157734
The second project involves the acquisition, planning and creation of a natural and artistic cultural landscape in Portugal. Franziska Seifert describes the project as follows: “In Portugal, we will be reforesting a site covering several hectares in October, in collaboration with a local plant expert and a horticultural firm. Around 100 trees are planned. The expert will carry out a site survey of the land with me and has already considered planting heather and other drought-tolerant plants. So far, we have removed the existing small, dry trees and kept the undergrowth short due to the risk of fire. However, we are in talks with goat farmers and would like to make the land available to them for grazing. This would allow us to cultivate the land whilst minimising the use of machinery. The Portuguese government is currently supporting a programme for grazing with black land sheep, and we can join that initiative.”
In principle, it is about measurability or efficiency, but more importantly, it is about what the ancient Greeks described as Kairos: deep time. Kairos is the time of the storyteller. If one is interested in the stories of nature or in the history of a place such as this refuge, our sense of time and our restless way of life are of little help. Long periods of time take the place of any everyday hustle and bustle. A refuge denotes a safe, sheltered place where one finds protection from danger, finds peace, or which serves as a habitat for living creatures. All of this is significant, and it is just as important to give it artistic form – to create sculptures for the site using the stone from the mountain on which this space is situated.
Franziska Seifert
Es gibt zwei große Projekte, die sich in der Realisierungsphase befinden. Das eine ist in der Nähe ihres Lebensmittelpunktes in Hamburg Wilhelmsburg. Sie spricht in diesem Zusammenhang von Landbearbeitung mit Acker und Gewächshaus im Spadeland. Das Spadeland (oder Spatenland) bezeichnet historisch ein Stück Marschland direkt am Deich, das bei der Deichunterhaltung als Vorland diente und aus dem Erde entnommen wurde. Im Mittelalter regelte das Spadelandrecht die Deichpflicht der Anwohner. Jeder Bauer bekam einen festen Abschnitt des Deiches und das dazugehörige Stück Spadeland zugeteilt, für das er verantwortlich war. Konnte ein Bauer seinen Deichabschnitt nicht reparieren, wurde ein Spaten in den Deich gesteckt. Wer den Spaten herauszog, übernahm die Pflichten für den Deichabschnitt und erhielt das dazugehörige Land. Dieser symbolische Akt wird von Franziska Seifert und ihrem Mann vorgenommen; sie nehmen den Spaten an und rekultivieren die Fläche eines unspektakulären Hauses mit einem großen Gewächshaus und graben dessen Innenfläche aus. Ursprünglich taten die Deichbauern das Gleiche, um den Deich aufzuschütten und anzulegen. Franziska Seifert beschreibt das Projekt folgendermaßen: „Ein großes Gewächshaus wird erhalten und innen tiefer ausgehoben, damit man mehr Stehhöhe bekommt, um Ausstellungen zu machen. Dort werden aber auch unsere Zitronen und Orangen überwintern. Auf der Freifläche, Ackerstreifen, pflanzen wir eine Streuobstwiese und weiter hinten einen Baumstreifen, um die Phosphat-Aufnahme zu verbessern. Dort sollen dann die restlichen Brückensteine einer ehemaligen Rheinbrücke zu einer Skulptur verbunden werden und wir platzieren einen alten Eisenbahnwagon, der langsam im Moorboden absackt.“ Dass sie dies alles im Sinne ökologisch-zivilisatorischer Resilienz vornimmt, versteht sich von selbst. Viele Pläne zur Begrünung ehemaliger Hafen- und Industrieflächen gab und gibt es in Hamburg, allein die beiden Stifter setzen es einfach ohne Zeitverzug von der Idee bis zum Ergebnis künstlerisch und kompromisslos um. *
Das Besondere an dem Projekt von Franziska Seifert ist, dass sie es völlig selbstverantwortlich realisiert und dass sie wesentliche Fragen des Anthropozäns selbstverantwortlich und aus voller Überzeugung im Hinblick auf Fragen nach Resilienz für sich und ihr Umfeld überzeugend und exemplarisch beantwortet. Sie findet einen künstlerischen Zugang zum Phänomen des Anthropozäns, den sie für sich und ihre Mitmenschen überzeugend realisiert.
* https://www.stiftung-lebensraum-elbe.de/ Schwimmende Landschaften im Hansahafen: Ein wegweisendes Kunst- und Forschungsprojekt Schwimmende Landschaften im Hamburger Hafen und in ... vom Studio Urbane Landschaften und der Galerie für Landschaftskunst... . https://der-oberhafen.de/garten/ Das Kunstprojekt dient als flexibles Experimentierfeld, um versiegelte Flächen ohne Bodeneingriff temporär zu begrünen grau trifft grün - Stiftung Hamburger Initiative. Forschungsinstallation am Baakenhöft: Künstlerisch-wissenschaftliche Projekte der HafenCity Universität erforschen hier, wie sich raue, ungenutzte Betonflächen durch natürlichen Bewuchs in Biodiversitäts-Hotspots verwandeln lassen. vgl. hierzu https://www.hamburg.de/leben-in-hamburg/ausbildung-studium/science-made-in-hamburg/artenvielfalt-auf-verwahrlosten-waenden--1157734
Das zweite Projekt ist der Erwerb, die Planung und Realisierung einer natürlich-künstlerischen Kulturlandschaft in Portugal. Franziska Seifert beschreibt das Projekt so: „In Portugal forsten wir mit einem einheimischen Pflanzenkenner und Gartenbaubetrieb im Oktober ein mehrere Hektar großes Gelände auf. Es sind ca. 100 Bäume geplant. Der Fachmann wird eine Begehung des Bodens mit mir machen und hat auch schon Erikagewächse und andere Trockenpflanzen angedacht. Bisher haben wir die vorhandenen trockenen kleinen Bäume entfernt und das bestehende Unterholz wegen Brandgefahr kurz gehalten. Wir sind aber mit Ziegenbauern im Gespräch und würden Ihnen gern das Terrain zur Beweidung überlassen. So hätten wir eine Kultivierung, die weitestgehend auf den Einsatz von Maschinen verzichtet. Die portugiesische Regierung unterstützt gerade ein Programm zur Beweidung von schwarzen Landschafen, und dort können wir uns anschließen.“
Es geht um Messbarkeit oder Effizienz im Prinzip, aber vielmehr um das, was die Griechen der Antike mit Kairos beschrieben: die tiefe Zeit. Kairos ist die Zeit des Erzählers von Geschichten. Wenn man sich für die Geschichten der Natur interessiert oder für die Geschichte eines Ortes wie dieses Refugiums, sind unser Zeitgefühl und unser unsteter Lebenswandel kaum hilfreich. Lange Zeiträume treten an die Stelle jedweder Alltagshektik. Ein Refugium bezeichnet einen sicheren, geschützten Ort, an dem man Schutz vor Gefahren findet, zur Ruhe kommt oder der Lebewesen als Überlebensraum dient. All dies ist von Bedeutung und genauso bedeutend wie künstlerisch zu gestalten, Skulpturen für den Ort zu schaffen mit dem Stein des Berges, auf dem sich dieser Raum befindet.